Restaurant-Check: Crackers Berlin

Wo früher getanzt wurde, wird heute gegessen. Im letzen Jahr hat der Nachtclub Cookies nach 20 Jahren zugemacht, nun ist an gleicher Stelle das Restaurant Crackers erschaffen worden. Der Chef ist der gleiche. Ob Heinz Gindullis, allerorts unter seinem Spitznamen Cookie bekannt, jeden Abend an einem der Tische seines neuen Restaurants Platz nimmt und mit Gästen plaudert, kann ich nicht sagen – an dem Abend meines Besuches aber tat er es (ohne selber zu essen).

Crackers, die gesalzene Version des Cookies sozusagen, soll, so wird der Chef zitiert „ehrliches Essen, fabelhafte Drinks (und) ein gutes Gespräch an der Bar“ versprechen. Nahrungsaufnahme mit Sexappeal, wie man es bisher in Berlin vor allem vom Grill Royal kennt.

Das Restaurant ist in halbdunkles Licht getaucht (die Art-Deco-Chandeliers aus dem Cookies Club durften wegen ihrer  Schönheit bleiben), die Möbel sind in einem schönen, satten und dunklen Grün. Gäste sitzen auf einer erhobenen Fläche in der Mitte des Raumes und können sich sehr gut gegenseitig (heimlich) begutachten – volle Catwalk-Punkte also.

Die Vorspeisen bestehen hauptsächlich aus verschiedenen Salaten, Rindertatar, einer ganzen Artischocke mit dreierlei Dips und Ceviche vom Zander. Der „Eisberg am Spieß“ hatte einen opulenten Auftritt, die gebratenen Jakobsmuscheln mochte meine Tischnachbarin sehr. Am Nebentisch saßen einige Männer in guten Anzügen, die die ganze Vorspeisen-Palette bestellt hatten und sich wie junge Hunde freuten, dass ich sie fotografierte (die Vorspeisen, nicht die Männer).

Man wird im Crackers schnell in anderen Runden an anderen Tischen aufgenommen, die Stimmung ist freundlich und vor allen die niedlich-naiven jungen Kellner machen sie so nett.

Moment, eine Sache wurde in der Chronologie der Ereignisse vergessen: Das Brot zu Beginn. Irgendwann in den letzten Jahren geschah es, dass sich Brot und die dazugehörige Schmier-Variante, sei es Butter, ein luftiger Käse oder ein Rahm, zum Prestigeobjekt eines guten Restaurants entwickelt hat. Man stellt, wenn man ein herausragender Gastronom sein möchte, nicht einfach einen Brotkorb mit ein paar langweiligen Brotscheiben auf den Tisch, man lässt sich etwas einfallen. In einem Londoner Sternerestaurant zum Beispiel wurde mir das Brot einmal von einer nur für das Brot zuständigen Kellnerin auf einem kunstvoll dekorierten Brett serviert: etwa zehn verschiedene kleine Brot-Kunstwerke hatte das blasse Brotmädchen auf dem Tablett wie eine Armee aus gebackenem Teig ordentlich in Reih und Glied aufgestellt. Kleine Brot-Schleifen mit Kümmel, Mini-Brötchen aus Roggen, Mini-Baguettes, Brioche-Zylinder und sehr kleine Weißbrote in Schraubverschluss-Optik … im Cookies jedenfalls hat man die Sache mit dem Brot-Hype verstanden und gut unter Kontrolle. Der Hefeteig (schmeckt gut) wurde wie eine Blume gebacken: aus sechs kleinen Brötchen wurde eine Brotblume.

Bei den Hauptspeisen wählten wir Steak, leider wurde es genau so serviert, wie es keinen Sinn macht – in der Sauce schwimmend. Steak sollte immer ohne störende Extras auf dem Teller oder Holzbrett liegen, die Sauce immer extra dazu. In einem anderen Gefäß. Weit weg! Die Qualität des Entrecôte und des Filets vom Charolais Rind waren tadellos, und obwohl außer der Sauce auch ein mir bis dato unbekanntes Gemüse (Form eines Radieschens, Eigenschaften einer Roten Beete) auf dem Teller platziert war, das dort eigentlich nichts verloren hatte, kann ich meine Auswahl mit gutem Gewissen weiterempfehlen. Was soll ich machen, ich bin eben Steak-Puristin. Ausser etwas Meersalz und frisch gemahlenen Pfeffers braucht ein Steak meiner Meinung nach keine Begleiter. Vielleicht ein wenig Bernaise, wenn man in der richtigen Stimmung ist (der sogenannten Bernaise-Stimmung), aber eben bloß nicht in Berührung mit dem Fleisch.

Apropos Stimmung: die Stimmung an der Bar des Crackers ist leicht erotisch geladen – Achtung! Bei jedem Gang zur Toilette und vorbei an der Bar, besteht die Möglichkeit zum Flirt mit einzelne herumsitzenden und scheinbar zu niemandem gehörenden Männern. Später am Abend darf man hier sogar Rauchen. Mein Fazit: Im Crackers kann man gut essen, man kann spontan entscheiden, aus einem kurzen Dinner eine längere Nacht zu machen, man fühlt sich sofort wohl. Aber: Es fehlt eine gewisse aufregende Stimmung, ein Buzz – wie im Grill Royal. Nur in einem Punkt ist das Crackers dem Grill Royal ganz klar überlegen: der Küchen-Moment! Jeder Gast muss im Crackers durch die Küche gehen, um ins Restaurant zu gelangen. Ein kurzer, sehr New-York-hafter Moment, der einen sofort für sich gewinnt.

Sterne: ★★★★☆

Crackers, Friedrichstraße 158 / Unter den Linden, 10117 Berlin, www.crackersberlin.com

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